Aufderalsterstehen, Dauerbrenner, Geocaching
mystische Ziele
Die beiden Herrschaften, die in dem edlen Modegeschäft auf Kundschaft warten, stehen am Fenster und bewegen die Hände - hoch, zurück, winken nach links und rechts, fuchteln, senken die Arme, lachen. Vor dem Fenster ist ein tiefer Graben, mit Wasser gefüllt, das spielt jedoch keine Rolle, jedenfalls keine wesentliche. Aber ohne den Graben hätte es nicht funktioniert.

Auf der anderen Seite des Grabens residieren die Ewige Lampe und ein Krawattenladen. Letzteres ist völlig unerheblich, die Ewige Lampe war und ist Allen als Orientierungspunkt wichtig. Die Lampe selbst nicht, aber die Anschrift. Auf der Alster soll jemand mit Langlauf-Ski unterwegs gewesen sein.

Ein halbes Dutzend Leute, die sich noch nie gesehen haben und in wenigen Minuten vermutlich wieder für immer getrennte Wege gehen werden, bewegen sich, manchmal gebeugt gebückt, dann wieder entspannt, dann zum Vordach gestreckt, langsam, unter Äußerung brummeliger Sprüche, am Geländer lang, das den Graben von Weg trennt. Ohne Graben hätte es nie ein Geländer gegeben, ohne Geländer nie diese Begebenheit. Insofern ist der Graben von Bedeutung, aber das war es dann auch.

Die Herrschaften winken und verschwinden. Nach kurzer Zeit tauchen sie bei einem anderen Fenster, ein kleines Stück weiter, wieder auf. Und wieder Gesten, hoch, zurück, hin und her, lachen. Das Wasser im Graben ist mit einer Eisschicht überzogen, auf dem Geländer liegt Schnee, aber das tut nichts zur Sache. Heute werden wohl Zehntausende über die Alster gewandert sein.

Wäre es nicht in einer Großstadt, gäbe es nicht all' die Muggels. Aber davon sind jetzt so viele unterwegs, dass man eigentlich keine große Vorsicht mehr walten lassen muss. Es sind natürlich keine richtigen Muggels. Sie werden nur so genannt, weil man ihre Gegenwart fürchtet. Diese Muggels hier wissen davon aber gar nichts - weder von ihrer Bezeichnung, noch von ihrem Stören, noch werden sie jemals eine Ahnung von der Ursache des eigenartigen Ballets am Fleet haben. Ihnen ist ohnehin viel zu kalt, weil sie gerade bei einem Nicht-Ereignis waren - dem Aufderalsterstehen.

Inzwischen haben sich die beiden Herrschaften auf der anderen Seite ihrer neuen Kundschaft zugewandt. Das halbe Dutzend Schattenballettänzer bemüht sich erfolgreich, etwas auf einen winzigen Zettel zu notieren, der dann, eng zusammengerollt, in einem winzigen Etui untergebracht, wieder am Geländer re-deponiert wird. Vor dem Loggen werden sie alle sich gewiss noch begegnen - auf der Alster, auf dem Wasser, aber nicht im Boot, sondern zu Fuß.

Es blieb Dir verschlossen, was hier steht? Das ist das Schicksal eines Muggels.

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